4.10.2009 Sydney
 
Ein kurzer, wenig spannender Bericht aus Sydney. Nach vier aufregenden Wochen im Norden Indiens waren die vier Tage in Sydney wie ein Kulturschock. Wir mussten zwar nicht mehr aufpassen, wo wir hintreten, konnten uns mit dem Wasser aus der Leitung die Zähne putzen und es sogar trinken und alles war so, wie bei uns daheim! Aber dafür war auch alles genausso teuer wie bei uns daheim und vieles fast langweilig!
Natürlich ist Sydney eine tolle Stadt mit überragenden Bauwerken, überraschend vielen Parks und grünen Flächen, schicken Shops und hippen Läden. Aber weder das Essen ist besonders, noch die Menschen. Vieles wirkt wie im Ami-land. Also freuen wir uns auf Neuseeland!
 

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Sydney Opera House: paast scho!




Neuseeland


 11.10.2009 Arthur´s Pass Nationalpark
 
Wintertramping mit einem Kiwi!
Die Neuseeländer gehen nicht auf eine Trekkingtour, sondern sie gehen “trampen”. Und die Bezeichnung ist nicht der einzige Unterschied zu unserer Art, in den Bergen oder der Natur für mehrer Tage zu wandern! Wir hatten die wunderbare Gelegenheit, diese Unterschiede kennenlernen zu können. Zusammen mit meinem Freund Simon, den ich vor 11 Jahren in Argentinien kennen gelernt habe, waren wir auf einem viertägigen Tramp im Arthur´s Pass Nationalpark unterwegs.
Simon lebt zusammen mit seiner Frau Jo und ihrem 9 Monate alten Sohn Nathan in Lyttelton, dem Hafenort von Christchurch, auf der Südinsel Neuseelands. Dass wir bei Simon und Jo die ersten Tage verbringen konnten, war für uns genial.
 

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Unser Zuhause bei Simon, Jo und Nathan

 
Es tut gut, nach einige Wochen des Reisens so eine Art “daheim” zu haben´; nicht im Zelt oder einem Hostel übernachten zu müssen und mit Freunden zu quatschen oder in die Stadt zu fahren. Oder eben in die Berge zu gehen. Und für Simon war es seit der Geburt Nathans das erste Mal, dass er für mehrere Tage zum “Trampen” gehen konnte. Er hat sich also auch wahnsinnig gefreut und war stolz, uns seine Berge zu zeigen. Und das war für uns genial, denn der Arthur´s Pass Nationalpark ist einer der wenigen Orte in Neuseeland, der noch nicht ausgetrampelt ist!
 

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Simons Hausberge im Arthur´s Pass Nationalpark
 

 
Aber jetzt zum “trampen”: also die Neuseeländer sind ja in vielen sportlichen Sachen extrem. So auch beim Bergwandern. Da ist einmal das Tempo, mit dem sie unterwegs sind. Sie genießen es, so schnell wie möglich zur nächsten Hütte oder Zeltplatz zu kommen, um dann da noch ein bisschen ohne Rucksack rumzulaufen. Deshalb haben sie auch eine eigene Art, Flüsse zu überqueren. Während wir nach einer Möglichkeit suchen, trockenen Fusses über den Fluss zu kommen, laufen die Kiwis einfach durch! Und zwar, ohne sich die Trekkingschuhe auszuziehen und z.B. Sandalen anzuziehen (würde ja unnötig Zeit kosten!).
 

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Ein Kiwi beim Trampen

 
Und dann laufen sie den ganzen Tag mit nassen Füßen und Schuhen rum. Ist aber egal, denn der gleiche Fluss wird immer wieder auf dem direkten Weg durchquert!
Und als letztes noch das “Bushbashing!” Also das “sich durch den Busch schlagen”: um nicht unnötig Zeit zu verlieren (welche Überraschung), suchen sich die Neuseeländer nicht mühselig den Weg des geringsten Widerstandes, ganz im Gegenteil: wenn es sein muss, geht es mitten durch den Wald oder eben durch Büsche! Egal, wie dicht, nass oder schneebedeckt die Büsche gerade sind! Und das geniale bei all dem ist, sie haben einen riesen Spaß dabei!
 

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"Advanced Downhill Bushbashing"
 

 
Und wir hatten den auch. Denn wir durften all das nicht nur in einer genialen Natur erleben, sondern auch bei genialen Bedingungen: am ersten Tag hat es geregnet. In der ersten Nacht hat sich der Regen in Schnee verwandelt und es hat den kompletten zweiten Tag geschneit! In der zweiten Nacht ist es dermaßen kalt geworden, dass es nicht mehr schneien konnte. Aber der starke Wind hat auch komplett die Wolken vertrieben und so sind wir am dritten und vierten Tag bei strahlendem Sonnenschein durch eine traumhafte Winterlandschaft gewandert.
Übernachtet haben wir in Hütten, die sehr urig oder komfortabel waren. Und spätestens am dritten Tag haben wir uns der neuseeländischen Art des trampens angepasst - ein genialer Einstieg also für unsere Reise hier!
 

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Nach drei Tagen trampen mit Simon haben wir uns wie halbe Kiwis gefuehlt!



17.11.09 Abel Tasman Nationalpark: Nicht alles ist schön!
 
Heute gibt es endlich mal eine Geschichte, die nicht ganz so toll ist. Zumindest nicht, wie wir sie uns vorgestellt hatten! Dabei waren wir in einem  der beliebtesten Nationalparks Neuseelands unterwegs: dem Abel Tasman Nationalpark an der Nordküste der Südinsel. Einer der zehn großen „Great Walks“ verläuft durch diesen Park und mit dem Kajak an der Küste entlang zu fahren, muss auch traumhaft sein – zumindest, wenn das Wetter mitspielt!  Und das war ja bis jetzt in Neuseeland nicht unbedingt auf unserer Seite. Aber so besch ... wie heute, war es noch nicht!
Wir haben uns für drei Tage ein Kajak ausgeliehen, um auf eigene Faust an der Küste entlang zu paddeln. Das kan eine ganz gemütliche Sache sein und mit vielen Stops an den traumhaften Stränden (bei schönem Wetter versteht sich) und den kleinen Inseln mit Seelöwen, Pinguinen und Vögeln auch voll interessant.
Als wir allerdings heute morgen um 8 Uhr ins Kajak eingestiegen sind, hat es das Regnen angefangen und den ganzen Tag (!) nicht mehr aufgehört! Während der Fahrt war das zwar nicht angenehm, aber es ging so einigermaßen, da wir ja paddeln mussten und so in Bewegung waren. Allerdings hatten es die Wellen dafür in sich und es war jetzt nicht gerade ein Kindergeburtstag.
Als wir dann aber um die Mittagszeit an einen Strand sind, um etwas zu essen, war es , als würden wir in einem Kühlhaus stehen, in dem es regnet! Selten hatte ich so gefroren: wir standen am Strand und haben am ganzen Körper gezittert! Der warme Tee und das Brot waren aber trotzdem ganz gut, auch wenn wir es so schnell wie möglich gegessen haben. Nachmittags um halb vier kamen wir dann in der Bucht an, in der unser Zeltplatz war. Im Kajakladen hatten sie uns gesagt, dass das eine der schönsten Buchten im Abel Tasman ist. Sie hätten hinzufügen müssen: „bei schönem Wetter“.
Aber zum Glück gab es hier eine Hütte mit einem Ofen. Und hier haben sich alle getroffen: die Wanderer, die den Walk gelaufen sind, die Tagesausflügler, die auf ihr Wassertaxi gewartet haben, und wir. An Zeltaufbau war überhaupt nicht zu denken. Zwei Stunden standen wir um den Ofen rum, um trocken und warm zu werden; was nicht wirklich funktioniert hat. Irgendwann konnten wir raus und uns mit eiskaltem Wasser die Beine und Arme waschen, um was trockenes anzuziehen. Und später am Abend hat es dann für knapp eine halbe Stunde aufgehört zu regnen. Die Zeit wollten wir nutzen, um das Zelt aufzubauen. Am Ende wurde Kathl dann doch von einem Schauer überrascht und war wieder total nass!
Heute habe ich wohl so wenig Fotos gemacht, wie selten zuvor bei irgendeiner Aktivität. Kathl hat kein einziges Foto gemacht. Hier aber zwei Fotos vom heutigen Tag und ein Foto, auf dem ihr euch so ein bisschen vorstellen könnt, wie es hier sein kann. Denn am dritten Tag hat unserer Tour hat sich doch tatsächlich ab und zu die Sonne gezeigt!
 
 

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Die Anchorage-Bucht in der kurzen Regenpause
 
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Am letzten Tag der Tour kam auch mal die Sonne raus!

 



 29.10.09 Kaka Point: „Die Herren der Zäune“ oder: „Der Stolz des Südens“ oder: „Zwei Tage Wohnmobil-frei!“
 
Gestern und heute waren wir in den „Catlins“ unterwegs. Das ist der südliche Küstenabschnitt der Südinsel. Hierher verirren sich sehr wenig Touristen, und in der Vorsaison noch weniger! Und das macht diesen Teil Neuseelands für uns umso sympathischer. Dass wir hier sozusagen zwei Tage „Wohnmobilfrei“ hatten, ist ein Grund, warum es uns hier so gut gefallen hat. Es gibt aber noch viele andere Gründe, die die letzten beiden Tage zu den schönsten gemacht haben, seit wir Simon und Jo in Christchurch verlassen haben.
In den Catlins treffen sich Wald und Meer, wechseln sich atemberaubende Küstenlandschaften mit grünen Hügeln ab, auf denen tausende von Schafen stehen, schlagen die riesigen Wellen gegen die Felsen und der Wind aus der Arktis pfeift ungebremst und ohne Hindernisse übers Land! So wild wie hier haben wir Neuseeland bis jetzt nicht erlebt.
 

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Curio Bay, Catlins
 
 
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Die Bäume haben es hier schwer!
 
 
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Weide mit Aussicht
 

Und die wenigen Menschen, die hier leben, sind wohl ganz besonders hartgesottene, aber auch nette, kreative und aufgeschlossene Menschen. Viele von ihnen leben vom Fischfang oder der Schaf- oder Rinderzucht. Und wo viele Schafe und Rinder sind, da braucht es auch Zäune. Also gibt es auch Zaunbauer! Und von denen haben wir vier getroffen. Wir kamen heute abend in das winzige Küstendorf „Kaka Point“. Hier leben vielleicht noch 50 Menschen. Es gibt einen gottverlassenen Zeltplatz, auf dem wir als einzigste unser Zelt aufgestellt haben. Und es gibt eine Bar. Und da sind wir natürlich hin. Eigentlich wollten wir nur eine Kleinigkeit essen und ein Bier trinken. Als wir um 19:30 ankamen, sind wir als erstes in die Bar und haben gefragt, wie lange hier geöffnet ist. Der Wirt, der sich später als Paddy vorstellte, meinte, allerhöchstens noch ein bis zwei Stunden. Wir sollten doch gleich das Essen bestellen und dann könnten wir ja unser Zelt aufbauen und anschließend gleich wieder herkommen.
So haben wir das auch gemacht. In der äusserst gemütlichen Bar trifft sich wohl das ganze Dorf; oder zumindest die, die am Abend ein bisschen Ablenkung suchen. Es gibt einen Billardtisch und eine Jukebox! Kurz nach dem wir gegessen hatten, kam einer der vier Männer auf uns zu und fragte uns, ob wir mit ihnen eine Runde Billard spielen wollten. Wir meinten, wir könnten nicht wirklich Billard spielen, was ihn aber nicht abschreckte. Also habe ich mitgespielt. So langsam kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass alle vier bei der „South Otage Fencing Ltd“, also der Süd Otage Zaunbau GmbH arbeiteten. Einer von ihnen, Aaron war der Chef und Inhaber der Firma. Tony und Blair waren seine beiden Brüder und der vierte hieß Paul. Allein der Gedanke, seine Kinder Tony und Blair zu nennen,ist ziemlich abgefahren! Die vier haben heute den „thirsty thursday“ in der Kneipe zelebriert, also den durstigen Donnerstag! Freitag ist ihr letzter Arbeitstag der Woche und so haben sie so richtig einen Drauf gemacht. Sie hatten sicherlich alle schon einige Bier hinter sich, als sie uns angesprochen hatten und dann ging es mit Jim Beam weiter! Tony hat uns dann seine Tätowierungen gezeigt: auf dem rechten Oberarm hat er sich die drei Sterne von Speights (das ist die lokale Brauerei!) tatowieren lassen. Deren Werbeslogan lautet: „Speights – pride of the South“. Und diesen Spruch hatte Tony auf seinen Rücken tätowiert! Es war äußerst witzig, mit den vieren Billard zu spielen und zu quatschen. Sie haben mich total an die Typen aus Magnus Mills herrlichem Roman „Die Herren der Zäune“ erinnert! Bei Mills wimmelt es nur so von abgefahrenen Typen und Brüdern, die eine Zaunbaufirma haben! 
 

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South Otago Fencing Ltd: Blair, Aron, Paul und Tony 

 
Als Paddy, der Wirt, um 23 Uhr mit einem kleinen Snack kam, waren wir auch schon ziemlich angeheitert. Für den Snack konnte ich mich aber doch nicht begeistern: „Mince Pies“ sind Blätterteigtaschen mit Fleischpampe gefüllt! Da musste ich gestehen, dass ich Vegetarier bin. Und das konnten die vier Zaunbauer gleich gar nicht verstehen. Aaron hat gefragt, was ich denn dann so jagen würde!?! Für die Neuseeländer ist es nämlich eine Selbstverständlichkeit, auf die Jagd zu gehen. Ich habe ihnen erklärt, dass es nicht wirklich Sinn macht, als Vegetarier zu jagen. Sie haben es mir geglaubt, verstanden haben sie es wahrscheinlich nicht. Am Schluss haben sie uns noch ihre Mail-Adressen gegeben, haben sich ein „Wegbier“ gekauft und sind heimgewackelt. Wie wohl der Freitag in der „South Otago Fencing Ltd“ abgelaufen ist?
Wir haben dann mit Paddy um 23:30 Uhr seine Kneipe geschlossen und er hat uns dann noch heimgefahren!  
  

 

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Feierabend!